Zur Person Karl Benjamin Preuskers


Karl Benjamin Preusker, 1824
Stadtmuseum Löbau

Die Lexika kennen Karl Benjamin Preusker (geb. 22.09.1786 in Löbau, gest. 15.04.1871 in Großenhain/Sachsen) vor allem als Gründer der ersten deutschen Bürgerbibliothek (24.10.1828). 1995 rief die Deutsche Literaturkonferenz den 24. Oktober zum »Tag der Bibliotheken« aus, dessen Motto »Bildung für alle« an Preuskers lebenslanges Engagement für die Volksbildung erinnert.

Die Person Preuskers steht jedoch für wesentlich mehr. Sie steht für einen bemerkenswerten sozialen Aufstieg vom Tuchhandelslehrling zum königlichen Beamten; für den Aufstieg eines Autodidakten zu einem anerkannten Gelehrten; für einen der produktivsten Altertumswissenschaftler seiner Zeit; für ein außerordentliches soziales Engagement, das von der Idee besserer Lebensverhältnisse für alle Bürger geprägt war und moderne Bildungskonzepte vorwegnahm.

In den autobiographischen Schriften hat Karl Preusker seinen Werdegang detailliert beschrieben. Elternhaus und Schulbesuch in Löbau vermittelten die ersten prägenden Erfahrungen. Bücherhunger, die Neigung zum Sammeln, das Tagebuch-Schreiben und die Kontakte zur oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften in Görlitz nahmen hier ihren Anfang. Nicht ohne Selbstironie weist Preusker auf die ungewöhnlichen Anlagen des behüteten Kindes hin, die seinen späteren Lebenslauf bestimmen sollten. Zuvor bestimmten jedoch die historischen Zeitläufte den schwierigen Übergang ins Erwachsenenalter. Die napoleonischen Kriege entzogen dem Tuchhandel des Vaters wie auch dem erlernten Buchhandelsgeschäft die Grundlage. Der Eintritt ins Militär 1813 war der letzte Rettungsanker für Preusker, ein eigenes Auskommen zu finden. Die Militärzeit führte ihn letztlich erfolgreich in den lange ersehnten Staatsdienst als königlicher Rentamtmann in Großenhain. 1824 fand er die sichere Lebensstellung, die es ihm (auch als sechsfacher Familienvater) erlaubte, den eigenen »wissenschaftlichen Bestrebungen« nachzugehen. In den 1820er Jahren baute er so eine der bedeutendsten Altertumssammlungen seiner Zeit auf. Ab etwa 1830 (als das Interesse an der vaterländischen Altertumskunde zugunsten der gesellschaftlichen Fragen im Vormärz abflaute) wandte er sich der Volksbildung zu. Seine Veröffentlichungen reflektieren deutlich die wechselnden Arbeitsschwerpunkte. Mit der Pensionierung 1853 beendete Preusker seine produktive Schaffensphase. Die Sorge des 68 Jahre alten Preusker galt nun dem Nachlass und dem Abschluss seiner handschriftlichen Autobiographie. Die mustergültig geordneten Nachlässe sind ein Ergebnis der Übergangszeit in den Ruhestand. Dresden, Löbau und Großenhain wurden zum Verwalter des archivalischen Erbes bestimmt. Die Altertümersammlung übergab er dem königlichen Antikenkabinett im Japanischen Palais. Andere Nachlässe wie die rund 4000 Blätter umfassende Autographensammlung sowie seine Münzsammlung wurden verkauft. Mit zurückbehaltenen Altertümer-Doubletten unterstützte er die Gründung zahlreicher Museen in Sachsen. In Großenhain konzentrierte er seine Kräfte auf die Lesezirkel und die Sonntagsschule, die er bis zu seinem Tod 1871 leitete.

Kurz nach Dienstantritt in Großenhain hatte man Preusker zu erkennen gegeben, dass Verbesserungsvorschläge von Amts wegen erwünscht seien. Spätere Beförderungsangebote lehnte er ab. Persönliche Freiräume waren ihm wichtiger als Einkommen und hohe berufliche Position. Dem unerschöpflichen Idealismus, der Beharrlichkeit und dem außerordentlichen Fleiß von Karl Benjamin Preusker ist es zu verdanken, dass der Name eines kleinstädtischen Beamten für wegweisende Ideen und ihre konsequente Umsetzung in die Praxis steht. Die erstaunliche Breite seiner Tätigkeitsfelder, die Einheit von Wissenschaft und gesellschaftlichem Engagement, seine Begabung für nachhaltige Lösungen, denen er breite Publizität zu verleihen wusste, machen Preusker zu einer zeitlosen Integrationsfigur.

Die maßgeblichen Ideen und Errungenschaften Preuskers sind:

. freier Zugang zu Wissen und Bildung
Einrichtung von Lesezirkeln, Bibliotheken, Museen; freier Zugang zu Information und Wissenswelt, Bildung für alle; Bildung als Schlüssel für beruflichen Erfolg und persönliche Vervollkommnung

. Weiterbildung und lebenslanges Lernen für Berufstätige
Gründung von Sonntagsschule, Gewerbeverein, Preuskerstiftung: berufliche und persönliche Fortbildung für Lehrlinge und Gesellen, Bildungs-Stipendien für befähigte, aber mittellose Gewerbetreibende

. Geschichtsforschung, Archäologie
Begründer der modernen Archäologie in Sachsen; Gründung von Sammlungen und Museen als Forschungs- und Lernorte, Verbreitung von historischer und kultureller Bildung

. Engagement für bessere Lebensverhältnisse
Frauenverein, Verbesserung der Kinderbetreuung für arbeitende Mütter durch die Einführung von »Kinderbewahranstalten«, Anregung zu Sparkassengründung als Sicherung der Lebensgrundlagen für einfache Leute