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Archiv 2018

14.02.2018 - Das bisher längste Haus der Bronzezeit in Sachsen südlich von Weißwasser entdeckt

Bild

Untersuchung des Wandgrabens des großen bronzezeitlichen Hauses (43 x 5 m).
(© Landesamt für Archäologie)

»An Bruchsteinen und Ziegeln ist nämlich bei Ihnen Mangel, aber sie haben mächtige Wälder und daher gewaltige Holzvorräte. Daraus zimmern sie sich Hütten zusammen.« Herodian (um 178-250 n.Chr.)

Die Spuren dieser „Hütten“, wie Herodot später geschrieben hat, haben sich über 3000 Jahre lang südlich von Weißwasser im Tagebaugebiet Nochten erhalten. Im hellen eiszeitlichen Sand, nur gut 50 cm unter dem Waldboden, zeichnen sich deutlich die länglichen Verfärbungen der Gräben in denen die Wände standen im eiszeitlichen Sand ab. Gehalten wurden die Wände von senkrechten Pfosten, deren Gruben sich als runde Verfärbungen von den Gräbchen abheben. Die fünf vollständig erfassten Häuser hatten eine Breite von 5 m. Liegen das 10-23 m  langen Häuser noch im Längenspektrum bronzezeitlicher Häuser, stellt das 43 m lange Wandgräbchenhaus einen Rekord für unsere Region auf. Man muss weit nach Norden Richtung Skandinavien reisen, um vergleichbare und noch längere Häuser dieser Zeit zu finden. Die Last der Dächer der fünf Häuser lag auf den regelmäßigen Wandpfosten und einigen wenigen Mittelpfosten. Funde von gebranntem Lehm und verkohlten Hölzern in den Wandgräben deuten auf die Konstruktion der Wände aus waagerechten Stämmen hin, die mit Lehm verstrichen waren. Die Eingänge der Häuser lagen an den Langseiten.
 

Bild: Rechteckiger Wandgraben des kleinen bronzezeitlichen Hauses (15 x 5 m).

Rechteckiger Wandgraben des kleinen bronzezeitlichen Hauses (15 x 5 m). 
(© Landesamt für Archäologie)

Da von den aufgehenden Hausgerüsten und von den ehemaligen Laufhorizonten nichts mehr erhalten war, ist es schwer Rückschlüsse auf die innere Gliederung und Nutzungsbereiche zu ziehen. In einem Haus trennte eine Zwischenwand einen kleinen Raum ab. Dieser Raum kann zum Schlafen, aber auch zum Lagern von Gerätschaften gedient haben. Ein anderes Gebäude (15 m Länge) besaß wiederum einen dezentralen Mittelpfosten. Dies könnte für unterschiedlich große Bereiche innerhalb des Hauses sprechen, die, wie in späterer Zeit nachgewiesen, als Wohn- und Stallbereich genutzt wurden. Die Untersuchung des Phosphatgehaltes der entnommenen Bodenproben wird möglicherweise diese Frage in Zukunft klären können.
Im Allgemeinen lag die Lebensdauer von Pfostenbauten auf Grund der Vergänglichkeit des Holzes bei ca. 30 Jahren. In diesem Zeitraum wurden Ausbesserungsarbeiten vorgenommen, wofür wir einzelne Hinweise gefunden haben. Was mit den Gebäuden am Ende geschah ist archäologisch nur schwer zu beantworten. Bei dem „bisher längsten Haus der Bronzezeit“ können wir dies allerdings ziemlich sicher sagen: es fiel dem Feuer zum Opfer, wie verkohlte Pfosten und Wandreste beweisen. Dabei verbrannten möglicherweise viele Haushaltsgegenstände. Einen Nachweis dafür lieferte uns eine große Grube, aus der Kistenweise sekundär gebrannte Keramik geborgen wurde. Die Lage, Ausrichtung und Konstruktion der fünf Wandgräbchenhäuser spricht dafür, dass sie zu unterschiedlichen Siedlungsphasen gehört haben. Der unbestechliche Nachweis wird uns hoffentlich durch die ausstehende Radiokarbondatierung von verbranntem Holz gelingen.

 

Peter Schöneburg, Thomas Linsener

 


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