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Klöster in Sachsen

Das unter diesem Titel stehende Forschungsprojekt des Landesamtes für Archäologie in Sachsen befasst sich nicht mit den berühmten Stiftungen und Grablegen der ottonischen Kaiser und ihrer Angehörigen, sondern mit den wesentlich jüngeren, im 11.-13. Jh. gegründeten und heute meistenteils zerstörten und völlig unbekannten Klosteranlagen im Gebiet des heutigen Freistaates Sachsen. Trotz ihres vergleichsweise kurzen Bestehens - mit der Einführung der Reformation durch die Landesherren wurden Klöster und Stifte als die traditionellen Stätten der katholischen Kirche bereits im 16. Jahrhundert aufgelöst -  ist ihre Bedeutung für die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes nicht weniger gering einzuschätzen. Von den städtischen Anlagen blieben zumindest teilweise die Klosterkirchen durch die Fortführung der pfarrkirchlichen Aufgaben, in Einzelfällen auch die Klosteranlagen durch Umnutzung als Schlossanlagen, erhalten. Dagegen stehen die zisterziensischen Frauen- und Männerklöster im ländlichen Umfeld besonders im Blickfeld archäologischer Untersuchungen. Hier wurde zwar die traditionelle landwirtschaftliche Klosterwirtschaft unter veränderten Eigentumsverhältnissen weitergeführt und Teile der mittelalterlichen Anlagen bestanden in alter oder neuer Nutzung fort, Klosterkirchen und Konventsgebäude dagegen verloren ihre Funktion und wurden an einigen Orten regelrecht als Steinbrüche benutzt und abgetragen. Das Klosterprojekt des Landesamtes für Archäologie hat sich nun zum Ziel gesetzt, diese verschütteten und oftmals vergessenen Zeugen der mittelalterlichen Kultur im Gebiet des heutigen Freistaates Sachsen aufzuspüren und ihrer historischen Bedeutung entsprechend zu würdigen.
Bild: Übersichtskarte

Übersichtskarte


Von den in der Karte verzeichneten Klosteranlagen sind  intensivere Voruntersuchungen im Rahmen dieses Projektes bereits unternommen worden für die Zisterzienserklöster Altzella, Buch und Grünhain und die Frauenklöster mit Benediktiner- bzw. Zisterzienserobservanz Sornzig, Heilig Kreuz bei Meißen und Nimbschen.

Um vor allem der fortschreitenden Zerstörung der unbekannten Anlagen Einhalt zu gebieten, werden zunächst möglichst differenzierte Bilder der mittelalterlichen Struktur der Klöster erstellt und die unbekannten Klosteranlagen, besonders auch die zugehörigen Wirtschaftshöfe, im Zuge der Denkmälerinventarisation aufgenommen. Bei Bestandsaufnahmen vor Ort werden die noch vorhandenen Bauteile verzeichnet, die sich im Gelände als Relief an der Oberfläche abzeichnenden Mauerzüge kartiert und mithilfe weiterer archäologischer Untersuchungen, seien es Grabungen oder geophysikalische Messungen, schließlich die oberirdisch nicht mehr sichtbaren Mauerreste nachgewiesen. Die so gewonnenen Daten des aktuellen Bestandes werden durch Quellen- und Archivstudien ergänzt.

Aus historischen Untersuchungen werden Daten zur Stiftungs-, Bau- und Ausstattungsgeschichte der Klöster ermittelt, dabei sollen auch die Fragen zur Größe und politischen Bedeutung des jeweiligen Konventes geklärt werden. Ein zweiter Ansatz bei den Archivstudien konzentriert sich auf die neuzeitliche Geschichte der Anlagen. Da diese mit der Einführung der Reformation zunächst in den Besitz des Landesherren übergingen, finden sich zahlreiche Bauakten des 16.-19. Jahrhunderts in den staatlichen Archiven, die über die Erhaltungs- oder Umbaumaßnahmen sowie Veräußerungen vieler Gebäude Aufschluss geben und wichtige Informationen zur Erstellung der Lagepläne liefern.

Außerdem werden die archäologischen und historischen Untersuchungen durch kunsthistorische Forschungen begleitet, die zum einen die Inventarisierung der überlieferten ehemaligen Ausstattungsstücke und der Klosterbibliotheken zum Ziel haben, zum anderen durch architekturgeschichtliche Vergleichsstudien die bauarchäologischen Befunde einordnen und fehlende Daten für dreidimensionale Rekonstruktionen der Klostergebäude ergänzen.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden sowohl wissenschaftlich publiziert als auch einem breiten Publikum vorgestellt. Neben Hilfestellungen bei Ausstellungen und Informationen vor Ort für die lokalen Träger der Denkmäler wird die Präsentation der Ergebnisse über Internet und CD-ROM durch das Landesamt für Archäologie vorbereitet.


Bild: Digitalisierte Überlagerung aus dem virtuellen Modell

Digitalisierte Überlagerung aus dem virtuellen Modell 
(© Landesamt für Archäologie)

Das abgebildete Beispiel ist ein Ergebnis der Zusammenarbeit des Landesamtes für Archäologie in Sachsen mit der HTW Dresden im Rahmen einer Diplomarbeit zum Thema: »Erstellung eines virtuellen Modells von Kloster Grünhain im Erzgebirge« (S. Granzow/C. Schmidt, September 2002).

Bei der Arbeit zur Rekonstruktion des Klosters Grünhain hat sich gezeigt, wie viele Forschungsaufgaben zu den Klöstern im Freistaat Sachsen noch unbearbeitet liegen. Das betrifft historische, kirchenhistorische sowie kunsthistorische Fragestellungen gleichermaßen. Das Landesamt für Archäologie in Sachsen hat mit dieser Arbeit den Anstoß zu weiteren Untersuchungen in diesem Themenbereich gegeben, für die Bewältigung der vielfältigen Aufgaben sind wir jedoch auf die Kooperation mit anderen Partnern, vor allem Hochschulen, angewiesen. Dringend gesucht werden beispielsweise Historiker und Kunsthistoriker, die den reichen Schatz archivarischen Materials in Sachsen bergen und in Studien- oder Magisterarbeiten und Dissertationen auswerten.

Bildnachweis:
Ruine des Klosters Grünhain. Federzeichnung von Wilhelm Dilich, 1629. Aus: Wilhelm Dilichs Federzeichnungen kursächsischer und meissnischer Ortschaften aus den Jahren 1626-1629.Hg. v. Paul Emil Richter und Christian Krollmann. Bd. 2. Dresden 1907, Nr. 45.

Kartierung der Klöster in Sachsen: Susann Gruner. Kartographie - HTW Dresden. 

Virtuelles Modell des Klosters Grünhain aus: Sarina Granzow; Cornelia Schmidt: Rekonstruktion der Klosteranlage Grünhain und Erstellung einer CD-ROM zu den wichtigsten Arbeitsschritten der Erzeugung und Visualisierung virtueller 3D-Modelle. Diplomarbeit HTW Dresden 2002.
 


Dr. Thomas Westphalen

Leiter der Abteilung II - Archäologische Denkmalpflege, Stadtkernarchäologie: Bautzen, Dresden, Görlitz, Leipzig, Meißen, Pirna, Zittau

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20 Jahre archäologische Denkmalpflege im Freistaat Sachsen - Dezember 2011

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Archäologische Denkmale im Projekt PEGASUS

LfA unterstützt das Programm »Pegasus – Schulen adoptieren Denkmale«

Bild: Biehla

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»denkmal anders« Flyer zur Tagung

© Landesamt für Archäologie