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20.01.06 - 23.04.06



Tanzender Satyr, griechisch, um 480/470 v. Chr.


Römischer "Tintinnabulum" - Anhänger zur Abwehr des Bösen


Satyr und Mänade, Athen, um 400 v. Chr.


Phallus-Männchen tragen eine gekrönte Vulva. Brügge, 14./15. Jh.


Gläsernes Scherzgefäß, Leipzig, 16. - 17. Jh.


Der »Dildo Shop« der Madame Gourdan


Stereofoto, um 1880



100.000 Jahre Sex. Über Liebe, Fruchtbarkeit und Wollust

"Rippeln", "bei sich liegen" oder "sich im Fleische erkennen" - alles Synonyme der mittelalterlichen Sprache für Geschlechtsverkehr. Wenn es um die Themen Sexualität, Liebe und Erotik geht, tut man sich schwer. Oft wird fantasievoll verschleiert. Immer besteht die Gefahr, von der bildhaften oder politisch korrekten Sprache ins Vulgäre abzugleiten.

Die im Drents Museum in Assen, Niederlande, konzipierte Ausstellung "100.000 Jahre Sex" nähert sich dem Thema unter archäologischem Blickwinkel. Wo Worte und Schriftquellen fehlen, sprechen Zeichnungen auf Felsen und Wänden, Tonfiguren, Statuetten oder Bildmotive auf antiken Gefäßen. Den Besucher erwartet eine ebenso interessante wie vergnügliche Zeitreise durch 100.000 Jahre. Sicherlich galt auch schon vor 100.000 Jahren das Motto "Sex sells". Sonst wäre die Menschheit ausgestorben und irgendeine andere Spezies würde jetzt über Liebeslust und Liebesfrust philosophieren.

Aber, wann entdeckten die Menschen den kleinen Unterschied? Seit wann empfinden wir Scham, Lust und Verlangen und denken darüber nach? Gab es in der Steinzeit den Anteil an der Jagdbeute nur im Tausch gegen Sex? Wie trieben es die alten Griechen und Römer? Diesen und anderen Fragen geht die Ausstellung nach. Auf gut 600 m² Ausstellungsfläche kann man sich über die sexuelle Bildersprache in der Kunst der Altsteinzeit informieren und erhascht einen Blick auf das, was Mann und Frau in der Bronzezeit "darunter" trugen.

Freizügige Darstellungen auf griechischen Keramiken geben einen Einblick in die Welt der "pornai" und "hetairai" - der Prostituierten - und zeigen zugleich, wie sich die damalige Männerwelt Lust und Vergnügen vorstellte.

Die Moralvorstellungen wandelten sich durch die Jahrtausende und unterschieden sich deutlich von denen unserer Zeit. Dies wird vor allem bei Ehe, Homosexualität und Sex mit Minderjährigen deutlich. War es im Alten Rom völlig legitim, sich neben der Ehe lustvollen Zweitbeziehungen zu widmen und Bordelle aufzusuchen, so sah das die Welt des christlichen Mittelalters anders: Sex sollte ausschließlich in der Ehe zum Zweck der Fortpflanzung und nicht zum Lustgewinn stattfinden. Bußbücher, in denen Geistliche mit viel Phantasie ausführlich alle Arten sexueller Verfehlungen sowie die dafür notwendigen Bußübungen aufzählten, belegen allerdings auch, dass nicht jeder diese Moralvorstellungen nachvollziehen wollte. Dies zeigen auch die Verse der Minnesänger und Bilddarstellungen in alten Handschriften. Außerdem gaben Mediziner schon damals praktische Ratschläge zum Sex, die durchaus auf den Lustgewinn von Mann und Frau orientierten.

Pornographische Darstellung in der Kunst der Neuzeit, das erste Kondom sowie diverse "lustfördernde" Spielzeuge führen den Besucher schließlich bis in die Zeit der frühen Fotografie. Die Ausstellung "100.000 Jahre Sex" zeigt Kulturgeschichte pur und verdeutlicht, wie sich die Blickweisen auf das Thema Sex im Laufe der Jahrtausende wandeln.

Die Museumspädagogik hält für diese Ausstellung ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Führungsgesprächen und Lesungen bereit.

Ausstellungskatalog: 100.000 Jahre Sex. Über Liebe, Fruchtbarkeit und Wollust. (Hrg. V. van Vilsteren, R.Weiss) Zwolle, Assen 2003/2004. 18,- €

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