Die Dreherei der Sächsischen Serpentinstein-Gesellschaft Zöblitz, um 1906


Fund des Monats Oktober 2005

Sächsischer Serpentin

Äußerlich ähnelt Serpentin dem Marmor, ist jedoch wesentlich weicher als dieser. Das weiche Gestein wird in obertägigen Steinbrüchen abgebaut. Man kann es nicht nur mit den üblichen Steinmetztechniken bearbeiten, sondern wie Holz auf der Wippendrehbank, der "Fitschel", drechseln. Reiche Serpentinlagerstätten konzentrieren sich vor allem in Sachsen im Erzgebirge um die Orte Zöblitz und Ansprung. Weltweit gibt es rund 50 Lagerstätten auf allen Kontinenten mit einer Vielfalt an Farbvarianten, die von hellgelb bis grauschwarz reichen.

Besonders beim Zöblitzer Serpentin überwiegen granatreiche dunkelgrüne bis grauschwarze Serpentine, außerdem besitzt er eine außergewöhnliche Politurfähigkeit. Bei dem aufgefundenen Stück kann man daher auch ohne weitere chemischen Analysen davon ausgehen, dass es sich hier um sächsischen Serpentin aus Zöblitz handelt.
Die ersten schriftlichen Nachrichten von der Serpentinverarbeitung in Zöblitz - wo auch heute noch Serpentin abgebaut und verarbeitet wird - stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Forschung geht aber davon aus, dass die tatsächlichen Anfänge noch wesentlich weiter zurückliegen.
Kompliziert ist die Datierung der einzelnen Gefäße, da es nicht - wie bei der Keramik - eine chronologisch relevante Typologie gibt. Das hier vorliegende Gefäß wird wahrscheinlich im 17. Jahrhundert benutzt worden sein.

Möglicherweise diente es zur Aufbewahrung kostbarer flüchtiger Arzneien.
Lange bestand der Aberglaube, dass Serpentin vor Vergiftungen schütze und eine heilende Wirkung habe. Im Jahr 1606 erschien ein gedruckter Handzettel, in dem der Zöblitzer Serpentin als Mittel gegen Lungenschwindsucht, Bauch- und Kopfgrimmen gepriesen wurde.