Brakteaten, Silber, 1. Hälfte 13. Jahrhundert, Lichtenau. Bild: S + M Rümmler / www.ruemmlerfotografie.de
Brakteaten, Silber, 1. Hälfte 13. Jahrhundert, Lichtenau
Bild: S + M Rümmler
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Fund des Monats Januar 2007

Der Schatzfund von Lichtenau

Brakteaten sind sehr dünne, einseitig aus Silber geprägte mittelalterliche Münzen. Als so genannte Hohlpfennige waren sie von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis ins 14. Jahrhundert fast im gesamten deutschsprachigen Raum das vorherrschende Zahlungsmittel. Geteilte Stücke sind dabei nichts Ungewöhnliches. Stimmte der Silberwert einer Münze mit dem jeweiligen Gegenwert nicht überein, wurde er beim Zahlungsvorgang kurzerhand passend gemacht.

Der Brakteatenschatz von Lichtenau gehört zu den großen Schatzfunden Sachsens. Mit ihm verbindet sich eine kuriose Fundgeschichte: Am 19. September 1985 ging vom damaligen Rat des Landkreises Aue im Erzgebirge, Abteilung Kultur, an das Landesmuseum für Vorgeschichte die telefonische Nachricht, dass beim Bau eines Einfamilienhauses in Lichtenau »ein Gefäß mit über 1000 Münzen« gefunden worden war. Der Fund sei im Museum für Bergmännische Volkskunst in Schneeberg sichergestellt. Dort wurden dem Vertreter des Landesmuseums ein Kunststoffbeutel mit weit über 3.000 ganzen und mehr als 150 halben Brakteaten, eine Pralinenschachtel mit 42 und eine Cremedose mit sieben Brakteaten, mittelalterliche Keramikscherben sowie Reste von Leder und grobem Gewebe übergeben.
Folgendes war passiert: Beim Ausbaggern der Baugrube seines Hauses am 26. August 1985 war der Finder in 30 cm Tiefe auf die Münzen gestoßen. Er hatte diese aber erst bemerkt, als die silbernen Plättchen von der Baggerschaufel rieselten. Auch jetzt wurden die eigentümlichen Plättchen noch nicht als Münzen erkannt, sondern für Kronenverschlüsse und später für Uniformknopfhüllen gehalten. Dennoch wurde alles sauber aufgesammelt, nebst Scherben, Leder- und Geweberesten. Der Neffe des Finders, der seine Schulferien bei seinem Onkel verbrachte, sammelte noch 42 weitere Brakteaten vom Bauplatz und nahm sie mit nach Plauen, seinem Wohnort. Dort zeigte er sie einer Nachbarin, einer damaligen Museumsführerin am Vogtlandmuseum Plauen. Sie erkannte sofort die Bedeutung des Fundes und informierte die zuständigen Stellen. So konnte der Kunststoffbeutel mit den Tausenden von Münzen, die 42 nachträglich gefundenen Münzen und weitere sieben Brakteaten sichergestellt werden. Nachgrabungen lieferten noch einmal ca. 100 Hohlpfennige, so dass der Fund insgesamt 3.822 ganze und 156 halbe Stücke erbrachte.