Kopf einer Tabakspfeife, Zwickau. Bild: S + M Rümmler / www.ruemmlerfotografie.de
Kopf einer Tabakspfeife, Meerschaum,
17. Jh., Zwickau »Stadtbahn«
Bild: S + M Rümmler
www.ruemmlerfotografie.de

 

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Fund des Monats August 2007

Qualmende Köpfe

Der Pfeifenkopf, an dem noch gut der Ansatz des verlorenen Stils mit Rauchloch zu erkennen ist, wurde nie benutzt. Bei dem sehr leichten, porösen Werkstoff wird es sich um Meerschaum (Sepiolith) handeln, der zur damaligen Zeit vor allem aus der Türkei (Abbau nahe Ankara) geliefert wurde. Auf die Türkei weist auch die beeindruckende Ausformung des Pfeifenkopfes als Kopf eines Orientalen hin.
Das außergewöhnliche Fundstück zeigt das fein ausgearbeitete, ausdrucksstarke Gesicht eines Mannes mittleren Alters mit Haar- und Barttracht und turbanartiger Kopfbedeckung. Kleine Hohlräume und Risse im Pfeifenkopf (z. B. im linken Kinn-Unterkieferbereich) lassen vermuten, dass es sich bei dem Stück um ein kunstvoll gestaltetes Schauobjekt handelt, das nicht zum Gebrauch gedacht war. Die mit einem Durchmesser von ca. 1 cm geringe Größe des Tabaklochs ist ebenfalls ein Indiz für das ziemlich hohe Alter des Stückes (siehe unten). Unter den archäologischen Pfeifenfunden in Sachsen stellt es ein Unikat dar.


Kleine Tabak- und Pfeifengeschichte

Tabak war schon seit vielen Jahrhunderten in Amerika bekannt, bis er am Ende des 15. Jahrhunderts durch die Entdeckung Amerikas über den Seeweg nach Europa gelangte. Am portugiesischen und spanischen Hof wird Tabak zuerst als Zierpflanze genutzt. Mitte des 16. Jahrhunderts wird er in Frankreich durch Jean Nicot (daher Nikotin) allgemein bekannt, der an eine starke heilende Wirkung glaubt. Aus diesem Grund wird der Tabak in Form von Pulver zunächst auch nur in Apotheken angeboten. Erst kurz vor 1600 wird er schließlich als Schnupf- und Kautabak und vor allem als Rauchtabak verwendet. Damit verbunden nimmt auch die Produktion von Pfeifen aus Ton deutlich zu. Mitte des 17. Jahrhunderts gibt es schon zahlreiche Anbaugebiete in Europa und die Rauchlust greift um sich, zumal der Preis des Tabaks immer geringer wird. Die im Laufe dieser Zeit zunehmende Größe der Pfeifenköpfe geht auf den sinkenden Tabakpreis zurück.
In Sachsen bezeugen zahlreiche Reste von Pfeifen aus gebranntem Ton den Gebrauch von Tabak. Sie werden bei archäologischen Grabungen in Stadtkernen immer wieder aufgefunden. Als Produktionsort dieser Pfeifen erlangte das sächsische Grimma besondere Bedeutung. Aber auch in Waldenburg wurden Pfeifen hergestellt, wo es nördlich der Stadt Vorkommen von Tonen gibt, die zum Herstellen dieser Pfeifen besonders gut geeignet waren.