3 Spielwürfel, Knochen, 15./16. bzw. 17./18. Jahrhundert, Chemnitz, Innere Klosterstraße. Bild: S + M Rümmler / www.ruemmlerfotografie.de
3 Spielwürfel, Knochen, 15./16. bzw. 17./18. Jahrhundert, Chemnitz, Klosterstraße; Zwickau, Schloss Osterstein und Kornmarkt
Bild: S + M Rümmler
www.ruemmlerfotografie.de

 

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Fund des Monats November 2007

Allerlay kurtzweil

"Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist,
und er ist nur da Mensch, wo er spielt."
(Friedrich Schiller, 1795)

Auch der mittelalterliche Mensch frönte mannigfaltigem Spiel. Seine Freizeit war nicht so knapp wie allgemein angenommen. Arbeitsfrei waren außer den Sonntagen noch ca. 50 kirchliche Feiertage. Wenn Jahrmärkte abgehalten oder Familienfeste gefeiert wurden - wegen des meist reichen Kindersegens ja recht häufig -, dann ruhte die Arbeit ebenfalls. Nicht zu vergessen das Pilgerwesen, eine Massenerscheinung. Zog es den reuigen Sünder in die Ferne, nach Aachen, Rom oder Santiago de Compostela in Spanien, dauerte es oft Wochen und Monate, bis er wieder in den Arbeitsalltag zurückkehrte.
Abends in den Herbergen wandelte sich dann manch frommer Büßer zum fröhlichen Zecher und Spieler, der lauthals lärmend den Würfelbecher krachend auf den Tisch sausen ließ. Vergeblich versuchte die Kirche immer wieder das Spiel als lasterhaftes Treiben zu unterbinden. Es gab aber schon früh auch Befürworter unter der Geistlichkeit, wie Thomas von Aquin: "Also ist der bloß Ernste in dem Sinne ohne Tugend, als er das Spiel verachtet, das doch so notwendig ist für das menschliche Leben wie das Ausruhen."

Die Zahl der Spiele und ihrer Varianten ist Legion. Zuweilen begegnen Zeugen dieser Lebensfreuden auch im archäologischen Fundmaterial. Großer Beliebtheit erfreuten sich beispielsweise die zahlreichen Würfelspiele, was archäologisch durch relativ häufige Würfelfunde bei Stadtkerngrabungen bestätigt wird. Knochen- oder Holzwürfel vorindustrieller Zeit sind meist etwas kleiner als die heutigen. Während bei modernen Würfeln die Punktsumme gegenüber liegender Seiten immer sieben beträgt, können ältere Stücke von dieser Regel gelegentlich abweichen. Spezielle Handwerker, die Würfler, sägten aus Tierknochen zunächst im Querschnitt quadratische Leisten, von denen dann die Rohlinge abgetrennt, geschliffen und die Augen mittels Drillbohrer aufgebracht wurden.