Japanisches Palais


Zu den berühmten Bauten der alten sächsischen Haupt- und Residenzstadt gehört seit der Zeit Augusts des Starken das Japanische Palais. Graf Flemming hatte das Stadtschloss 1715 am Neustädter Elbufer von Rudolf Faesch erbauen lassen. Zuerst hieß es das »Holländische Palais«, benannt nach seinem ersten Mieter, dem holländischen Gesandten van Craneberg.

         
          Das Palais heute von der Elbe gesehen

Im Jahre 1717 erwarb August der Starke das »Alt Dresdener  Haus« (wie er es nannte), um zur Hochzeit seines Sohnes 1719 der erwarteten, riesigen Gästeschar attraktiven Raum bieten zu können. Das imposant an der Elbe gelegene Haus schien ihm dafür wie geschaffen.

         
          Ein festliches Feuerwerk auf der Elbe vor dem Palais zu Beginn des 18. Jh.

Im Anschluss an das Fest wurde an der repräsentativen Ausstattung des Hauses weiter gearbeitet; es nahm nun Teile der königlichen Sammlung auf. «Esquelleten, annatomics, naturalia, mineralia, vegetas, asquatik, modelles, laboratoir, antiken, medalgen, etampes, geografics, curiositetten, meisterstikes, golt und silberne arbeit, helfenbein, criestal, stenerne vasen, gallanterien, jubelen, preciosen» umfassten diese nach einer Beschreibung August des Starken. Der vor dem Haus gelegene Palaisplatz wurde 1722/23 angelegt. Er nimmt direkt Bezug auf die von Pöppelmann konzipierte Königstraße mit ihrer berühmten Lindenallee.

Erst 1727/28 wurde das Haus zu einer schlossartigen Vierflügelanlage um- und ausgebaut. Der Vierflügelbau hatte sich zwischenzeitlich zur idealen, eindrucksvollen Bauform der Barockzeit entwickelt. Der Umbau und die damit verbundene Erweiterung entstanden in enger Zusammenarbeit von Pöppelmann (Oberbauleitung), Longuelune (zahlreiche Entwürfe) und Knöffel, zu denen de Bodt 1728 als vierter Baumeister hinzustieß. Die Fertigstellung nahm mehrere Jahre in Anspruch, bis 1731 schließlich der Elbflügel als letzte Seite des Stadtschlosses von Longuelune gestaltet wurde. Von Pöppelmann stammen die Entwürfe für die Gestaltung der Treppe sowie der Fassaden für den großen Innenhof. Die horizontal im 1. Obergeschoss umlaufende, hervorragende Galerie wird von 24 Chinesenhermen gestützt und erschließt als innerer Umgang das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss.

Die platzseitige Gestaltung des Gebäudes mit vorgezogener Eingangshalle, die durch drei Rundbögen und eingestellte Säulen gegliedert ist, geht direkt auf de Bodt zurück. Den Mittelrisalith bekrönt ein Dreiecksgiebel. Er zeigt im Halbrelief die porzellanherstellenden Völker, die der Saxonia huldigen.

Die seitlichen Eckfiguren werden als Minerva und Athena gedeutet. Die zwei prachtvollen Chinesen-Karyatiden des nördlichen Treppenhauses in der Vorhalle wurden von Oberschall geschaffen.

Neben den Hauptflügeln, deren Zentralachse (die Linie Elbe-Königstrasse) durch eigene Kuppeln betont wird, treten die vier Ecken des Hauses ebenfalls durch eigene Kuppeln hervor. Diese geschwungene, auf asiatische Motive zurückgehende Dachdeckung aus Kupfer gibt dem Japanischen Palais noch heute seine charakteristische Außenkontur. Während des 7jährigen Krieges erlitt das Innere des Hauses schwere Zerstörungen. Die wertvollen Sammlungen mußten aus Sicherheitsgründen im Keller eingelagert werden, bis 1785/86 eine erste Sanierung und Sicherung durch Gottlob August Hölzer vorgenommen wurde. Im Verlauf der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die "Chinamode" am Hofe allmählich unmodern, im Geiste der neuen Zeit suchte man nun nach einer sinnvollen Nutzung für das Japanische Palais.

Angeregt durch die Ideen des großen Kunsthistorikers Winckelmann gewannen Antikensammlungen zunehmend an Bedeutung und so zog 1786 in das Erdgeschoss die damals bereits 400 steinerne und bronzene Figuren umfassende Antikensammlung ein. Die kurfürstliche Bibliothek (eine der ersten öffentlich zugänglichen!) fand im Obergeschoss eine Bleibe. Auf dem Architrav der Vorhalle wird die neue Bestimmung des Hauses in einer Inschrift programmatisch festgehalten:

"MUSEUM USUI PUBLICO PATENS"
(Museum zu öffentlichem Nutzen)

Im Zuge der Neugestaltung des Erdgeschosses (1835/36) für die Antikensammlung schuf Gottfried Semper mit seinem Raumschmuck ein Gesamtkunstwerk: die antiken Statuen wurden in Räumen präsentiert, deren Polychromie (farbliche Gestaltung) auf antike Vorbilder zurückgreift. Nach Überführung der Antiken in das Albertinum und dem anschliessenden Einzug der Sächsischen Landesbibliothek wurden die Semper´schen Malereien durch Hubert Georg Ermisch 1927 bis 1935 nochmals aufgefrischt. Der Schriftsteller Erhart Kästner, seit 1927 Bibliothekar an der Staatsbibliothek im Japanischen Palais zu Dresden, berichtet von "...einer reichen alten Bibliothek, die schön war....mit unendlichen Magazinen bis unter die grün-kupfernen, vermeintlich japanisch geschwungenen Dächer..." sowie den "...sieben Museum-Sälen, an deren Wänden Gottfried Semper seine Vorstellung von der Vielfarbigkeit der griechischen, römischen und etruskischen Architektur dargestellt hatte...".

         

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus schwer beschädigt. 1953 übernahm das Landesmuseum für Vorgeschichte die Ruine und machte sie unter größten Anstrengungen schrittweise wieder nutzbar, so dass 1957 zusätzlich das Museum für Völkerkunde einziehen konnte. Seit dem Jahr 2001 haben auch die Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen Dresden ihre Ausstellungsräume im Palais.