Vorgeschichtliches Sauggefäß?


Fund des Monats März 2006

Ein prähistorisches Nuckelfläschchen?

In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde in der Kiesgrube von Kötitz (Lkr. Meißen) ein 300 Gräber umfassendes Gräberfeld der Lausitzer Kultur (2. Hälfte des 2. Jahrtausends v.Chr.) ausgegraben.

Aus Grab 90 stammen zwei urnenfelderzeitliche (1200 bis 750 v.Chr.), zitronenförmige Tonobjekte mit großer zentraler Einfüllöffnung. Beiden Gefäßen gemeinsam ist eine kleine runde Öffnung in einem der beiden spitz zulaufenden Zipfel der Gefäße. In der archäologischen Fachliteratur werden Gefäße dieser Art als »Sauggefäße« angesprochen.

Das vermehrte Vorkommen in Kindergräbern und das Wissen um die auch teilweise in bildlichen Darstellungen überlieferten Kindersaugflaschen der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit sprechen dafür, dass es sich auch hier um spezielle Gefäße zur Kinderernährung handelt.
Skeptiker bemerken zwar, dass diese Gefäße hin und wieder auch  in Erwachsenengräbern anzutreffen sind, diese Tatsache allein mag jedoch nicht ausreichen, um die Funktionsansprache als Saugflaschen in Zweifel zu ziehen. Möglicherweise wurde den Verstorbenen einfach ein »Lieblingsgegenstand« beigegeben. Bei einigen mit Saugflaschen ausgestatteten Frauengräbern könnte es sich auch um verstorbene Mütter von Kindern im Säuglingsalter handeln, denen symbolisch zum Abschied die Flasche beigegeben wurde.

In der älteren Literatur findet man auch noch Deutungsversuche als Rauchgeräte oder Pfeifen. Fehlende Schmauch- und Rußflecken sprechen jedoch gegen diese Deutung. Auch eine Funktionsansprache als Musikinstrumente mag nicht überzeugen.