30.07.2007

Die wüste Bergstadt auf dem Treppenhauer, Stadt Frankenberg, Kr. Mittweida

Eine Grabungsfläche auf dem dicht bewaldeten Treppenhauer.  
© Landesamt für Archäologie

Vom 23.06.2007 bis zum 17.08.2007 führt das Sächsische Landesamt für Archäologie zusammen mit dem Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg auf dem Berg Treppenhauer bei Sachsenburg ein gemeinsames Forschungsprojekt durch.

Die diesjährige Ausgrabung ist die vorerst letzte von drei Grabungskampagnen.
Je zehn Studenten nehmen hier für zwei Wochen im Rahmen ihres Studiums an einer sog. Lehrgrabung teil. Sie erlernen in dieser Zeit wissenschaftliche Ausgrabungstechniken, sowie die zeichnerische, fotografische und beschreibende Dokumentation. Unterstützung erhalten die Archäologen durch die Stadt Frankenberg, die Unterkünfte für die Studenten stellt.
Im Jahr 2005 wurde ein digitales Geländeaufmaß erstellt, das in Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden (FH) vorgenommen wurde. Das 12 ha große archäologische Denkmal zeigt noch heute beeindruckende Spuren der mittelalterlichen Bergbausiedlung. Innerhalb einer fast geschlossen erhaltenen Umwallung fallen besonders die tiefen Pingen ins Auge, die verstürzte Schächte anzeigen. Hier wurden silber- und bleihaltige Erze abgebaut. Das dreidimensionale Geländemodell dient als Planungsgrundlage für die weiteren Aktivitäten. So können flachere Mulden auf verstürzte Keller und Öfen deuten. Ebene, terrassierte Flächen trugen voraussichtlich Gebäude.

Ein kleines, gut erhaltenes Öllämpchen zählt zu den diesjährigen Keramikfunden auf dem Treppenhauer.
Ein kleines, gut erhaltenes Öllämpchen zählt zu den diesjährigen Keramikfunden auf dem Treppenhauer.  © Landesamt für Archäologie

Im dreizehnten, vielleicht schon Ende des zwölften Jahrhunderts, war auf dem Treppenhauer durch die Erzfunde eine florierende Stadt entstanden, die im Verlauf des 14. Jahrhunderts wieder verlassen wurde. Die Siedlungsstruktur, d.h. die Lage der Wohn- und Arbeitsstätten, der Kirche, der Straßen und weiterer Infrastruktur soll durch die Forschungen geklärt werden.
2006 konzentrierten sich die Grabungen auf einen Hauskeller im südöstlichen Bereich des Treppenhauers. Vor der Ausgrabung stellte sich der Befund als flache Depression im Gelände unweit eines alten Weges dar. Die Keramikfunde stammen aus dem frühen 14. Jh. also der Spätphase der Bergbausiedlung. Weitere den Weg begleitende flache Depressionen sind somit sehr wahrscheinlich auch als Hausstandorte anzusprechen. Eine Sondage vor dem im Gelände abrupt endenden Doppelgraben zeigte dessen weiteren Verlauf zum umlaufenden Wall-Grabensystems des Treppenhauers.
In diesem Jahr wurde ein Suchschnitt im bisher fund- und befundfreien Südbereich der alten Bergstadt angelegt. Überraschenderweise weisen auch hier erste Ergebnisse auf alte Haus- oder Wirtschaftsstellen hin.

Dr. Ingo Kraft

Referatsleiter Ostsachsen, Gebietsreferent Landkreise Bautzen (südlicher Teil), Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Telefon: 0351 8926-650

Telefax: 0351 8926-999

E-Mail: Ingo.Kraft@lfa.sachsen.de

Universität Bamberg, Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit

HTW Dresden, Fachbereich Vermessungswesen/Kartographie

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