28.07.2026, 13:00 Uhr

Abschluss der Flugsaison 2026

Gruben und Grabenstrukturen von Casabra
Die Gruben und Grabenstrukturen (Pfeile) von Casabra waren am 21.05.2026 ungewöhnlich früh in der noch grünen Gerste sichtbar. Zwischen den Grundrissen liegt eine inzwischen wieder verfüllte Kiesgrube.  

Bewuchsmerkmale über archäologischen Strukturen durch klimatische Veränderungen immer früher sichtbar

Nach zahlreichen Flügen in den vergangenen Monaten ist mit der fortschreitenden Ernte die archäologische Luftbildsaison zu Ende gegangen und die Zeit gekommen, Bilanz für das »Flugjahr« 2026 zu ziehen: Selbst bekannte Fundstellen bergen große Überraschungen: Das Siedlungsareal von Casabra (Lkr. Nordsachsen) umfasst inzwischen zahlreiche bandkeramische Hausgrundrisse, von denen über die Jahre immer mehr sichtbar wurden. Bislang unentdeckt geblieben waren dagegen in diesem Bereich leicht trapezförmige, etwa 4 x 9 m große Grabenstrukturen, die sich Ende Mai in der noch weitgehend grünen Gerste deutlich zu erkennen gaben. Vermutlich handelt es sich um die Grundrisse von Wandgräbchenhäusern, die von mehreren Silogruben umgeben sind. Diese Gehöfte oder kleine Weiler sind eine typische Siedlungsform der späten Bronzezeit (um 1000 v. Chr.), die sich in der Lösshügel- und Altmoränenlandschaft zuletzt deutlich vermehrt hat. Die Luftbildarchäologie leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Rekonstruktion der prähistorischen Siedlungslandschaft. Ebenso zeigte sich in den letzten Trockenjahren immer mehr, wie sich der Klimawandel auf die Entwicklung von Getreide, Mais oder Raps und damit auch auf die Ausprägung archäologischer Bewuchsmerkmale auswirkt. Früheres Pflanzenwachstum oder gar Notreife beeinflussen seit 2018 zusehends die Auffindungschancen für archäologische Strukturen. Die Luftbildarchäologie wird sich daher nicht nur auf veränderte Wachstumsperioden einstellen, sondern verstärkt auf das Monitoring von Bodendenkmalen konzentrieren müssen. Als Überwachungsinstrument sind Prospektionsflüge in absehbarer Zukunft durch nichts zu ersetzen.

(Text: Stefanie Bilz)

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