Gut Ding will Weile haben
Restaurierung eines großen Holzfasses aus der Chemnitzer Innenstadt abgeschlossen
Holz erhält sich besonders unter Sauerstoffabschluss in einem konstant feuchten Bodenmilieu. Auf diese Kombination trafen die Ausgräber im Jahr 1996 bei archäologischen Untersuchungen in der Rathausstraße in der Chemnitzer Innenstadt. In der Nähe eines mit Grundwasser gespeisten Brunnens fanden sie zwei gut erhaltene und als Latrinen genutzte Holzfässer. Die mit Weidenästen umfassten Fässer waren außen sorgfältig mit einem Lehmmantel abgedichtet und Öffnungen und Spundlöcher mit Holzbrettern verschlossen. Ihre eigentliche Funktion war es, die Latrinengrube zu verstärken und die Fäkalien aufzunehmen. Beide Fässer wurden im Ganzen geborgen und in die Holzrestaurierung gebracht.
Während wir heute Holz mit Polyethylenglykol – kurz PEG, ein langkettiges Polymer – konservieren und danach gefriertrockenen, wurde Holz damals noch in einer Zuckerlösung eingelegt und im Anschluss an der Luft getrocknet. Beide Methoden verhindern eine Schrumpfung und Verformung des Holzes beim Trockenprozess. Während der Lufttrocknung lagert sich der Zucker in den Zellen an, kristallisiert und stabilisiert das Objekt.
30 Jahre nach der Auffindung konnte die Bearbeitung des kleineren der beiden geborgenen Fässer nun abgeschlossen werden und das ca. 130 cm hohe Fass mit einem Fassungsvermögen von rund 250 Litern sieht fast aus wie neu!