20.10.2026, 15:00 Uhr

Zwei Neuentdeckungen aus der Luft

Trapezförmiges Grabenwerk aus der Luft im Bewuchs
West-orientiertes trapezförmiges Grabenwerk im ausgereiften Gerstenfeld. 

Trapezförmiges Grabenwerk und Wüstung auf Orthofotos in Seebenisch, Lkr. Leipzig entdeckt

Der Sommer 2018 war seit Beginn der Wetteraufzeichnungen einer der heißesten und trockensten überhaupt mit katastrophalen Folgen für die Landwirtschaft und überraschenden Neuentdeckungen für die Luftbildarchäologie. Selten zeichneten sich nämlich archäologische Befunde aufgrund der Trockenheit so kontrastreich im Bewuchs ab wie in diesem Jahr. Anfang Juli 2018 hatte die Getreideernte bereits begonnen, als im Raum Leipzig digitale Orthophotos im Auftrag des Landesamtes für Geobasisinformation Sachsen (GeoSN) aufgenommen wurden. Diesen besonderen Bedingungen, die mit dem Klimawandel in Zusammenhang stehen, ist die Entdeckung von neuen archäologischen Strukturen in der Gemarkung Seebenisch, Gde. Markranstädt zu verdanken.

Nordöstlich der Ortslage zeichnet sich auf einem bereits ausgereiften Gerstenfeld ein annähernd Ost-West-orientiertes trapezförmiges Grabenwerk ab (Breite 18 m, sichtbare Länge 32 m). Besonders deutlich zu erkennen ist die östliche Schmalseite, während die etwas kürzere Seite im Westen im gleichmäßigen Bewuchs verblasst. Vergleichbare Befunde beispielsweise aus Plotitz, Lkr. Meißen oder Kobeln, Lkr. Meißen legen nahe, dass es sich um eine mittelneolithische Grabanlage handelt, die zwischen etwa 3.700 und 3.500 v. Chr.  datiert werden kann. Innerhalb der Einfassung ist zwar keine Grabgrube erkennbar, doch könnten die umliegenden rundlichen Bewuchsveränderungen auf weitere Flachgräber oder auch Siedlungsgruben hindeuten.

War das Getreide im Juli bereits teilweise in die sog. Notreife übergegangen, litt auch der Mais unter erheblichem Trockenstress. Was sich in einem großen Maisschlag östlich von Seebenisch als circa 230 m x 180 m große Grabenstruktur zu erkennen gibt, dürften Spuren der Wüstung Grasdorf sein, die im Berliner Meilenblatt von 1806 verzeichnet und im Jahr 1590 als »Crasdorf« urkundlich als »wüstgefallen« genannt ist. Der Pflanzenaufwuchs war so heterogen, dass sogar ein von Nord nach Süd verlaufender Weg zu erkennen ist, von dem nach Osten und Westen rechtwinklig weitere Strukturen ausgehen, die vermutlich einzelne Hofstellen voneinander trennten. Höchstwahrscheinlich ist die Auflassung des Dorfes auf klimatische Veränderungen im 16. Jh. zurückzuführen.

Beide Beispiele zeigen, dass durch eine systematische Auswertung von Orthofotos und Luftbildern auch nach über 30 Jahren erfolgreicher Luftbildarchäologie weiterhin neue Fundstellen zu entdecken sind, die in den kommenden Jahren durch weitere Fotoflüge konkretisiert und überwacht werden müssen.

(Text: Linda Seifert)

Spuren der Wüstung Grasdorf aus der Luft und auf dem Meilenblatt von 1806
Spuren der Wüstung Grasdorf, die im Berliner Meilenblatt von 1806 verzeichnet ist. 
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